Tagungsplan

Donnerstag (6. Nov.)

ab 17:00 Uhr

Anmeldung in der Baracke

ab 18:00 Uhr

Kennenlernen und Grillen in und an der Baracke

Freitag (7. Nov.)
Grenzen und Grenzräume – kultur- und sozialanthropologische Betrachtungen

8:30 – 10:00

Frühstück

10:00

Offizielle Begrüßung durch die Fachschaft,

Prof. Dr. Elisabeth Timm

und Prof. Dr. Andreas Hartmann

11:00 – 12:30

Einheit A und B

12:30 – 14:00

Mittagspause

14:00 – 15:30

Einheit C und D

16:00 – 17:30

Einheit E und F

17:30

Filmvorführung – „Leben verboten“

anschließend

Abendessen

Samstag (8. Nov.)

Tag der Vernetzung – Wie können wir die Grenzen und Grenzräume der Institute und Fächer überwinden?

9:00 – 10:30

Frühstück

10:30 – 12:30

„Markt der Möglichkeiten“

12:30 – 14:00

Mittagspause

14:00 – 14:30

Plenum zur Vorbereitung

und Aufteilung der Workshops

14:45 – 16:45

Workshop I

Workshop II

Workshop III

17:00 – 18:00

Plenum
Vorstellung der Ergebnisse

anschließend

Abendessen

Sonntag (9. Nov.)

9:30 – 11:00

Frühstück

11:30 – 13:30

Plenum
Ausblick & Evaluation

ca. 13:30

Verabschiedung & Ende der Tagung

Abstracts zu den Einheiten am Samstag

Einheit A

‚Other Anthropologies and Anthropology Otherwise’ Steps to a World Anthropologies Framework (Eduardo Restrepo and Arturo Escobar)

Rafael Maria Raschkowski, Göttingen Vortrag mit anschließender Diskussion


In diesem Vortrag soll das Projekt eines Welt-Anthropologien-Rahmenwerks nach Eduardo Restrepo und Arturo Escobar soll skizziert werde. Sie verbinden dabei die Veränderungen und Entwicklungen, die durch von innen kommende Kritiken in den „dominanten Anthropo- logien“ ausgelöst wurden mit einer konsequenten postkolonialen Analyse globaler Rahmen- bedingungen und weisen so auf die Notwendigkeit hin, Transformationen auf erkenntnis- theoretischer, sozialer und politischer, sowie auf institutioneller Ebene durchzuführen, sowie akademische und disziplinäre Grenzen zu überwinden. Dabei skizzieren sie erste Schritte in Richtung ihrer Umsetzung.

Einheit B

Die Zigarette als Gegenstand einer „Sozialwissenschaft mit dem Schwerpunkt Kultur“. Theorien, Ansätze, Deutungspotenziale über Fächergrenzen hinweg.

Jasper Leszke, Münster Einführung und Diskussion


Die Zigarette ist ein globales Phänomen, welches zwar im lokalen Kontext Einblicke in höchst unterschiedliche Deutungszusammenhänge eröffnet, die jedoch stets auf theoretischer Ebe- ne mit einander verbunden und zuletzt auf globale Deutungszusammenhänge zurückgeführt werden können: die diskursive Verhandlung des Charakters der Zigarette zwischen Laster und Genuss, Selbstbestimmung und Sucht, Krankheit und Freiheit, Mechanismen und Ent- wicklungsprozesse des kapitalistischen Marktes und der staatlichen Gesundheitsförderung, Wirkungsweisen körperbezogener Machttechniken der Selbstdisziplinierung. Eine „fachtypi- sche“ Herangehensweise an das Thema wäre, sagt Jasper Leszke, eine beschränkte Heran- gehensweise. Nach einer knappen Einführung sollen mögliche empirische Zugänge aus allen Zuständigkeitsbereichen diskutiert werden, sei es aus Politik, Wirtschaft, Medizin oder Pop- kultur.

Einheit C

Der radikale Konstruktivismus

Rafael Maria Raschkowski, Göttingen Vortrag mit anschließender Diskussion


Während der soziale Konstruktivismus die Konstruiertheit und gegenseitige Beeinflussung sozialer Beziehungen zum Thema macht, geht der radikale Konstruktivismus noch weiter bzw. setzt bereits früher an. Die beiden chilenischen Neurobiologen Maturana und Varela beschreiben die Autopoiesis als Organisationsform und zentrales Erkennungsmerkmal le- bendiger Systeme. Diese Organisationsform ist in sich geschlossen. Über diese Definition von Leben nähern sie sich komplexen lebenden Systemen wie dem zentralen Nervensystem an und zeigen auch hier in gewissen Aspekten eine Geschlossenheit auf. Grundsätzlich stellen sie letztlich fest, dass jedes „Wissen“ über die Welt eine Konstruktion im eigenen Kopf ist und jede neue Wahrnehmung/Erfahrung alleine im Kontext vergangener Erfahrungen inter- pretiert/gedeutet werden kann. Dies lässt sich etwa neurobiologisch zeigen. Davon ausge- hend stelle ich die Frage, wie aus dieser radikal konstruktivistischen Perspektive Kommuni- kation zu verstehen bzw. möglich ist und wie angesichts einer Unerkennbarkeit der realen Außenwelt aus der Perspektive Gesellschaft entsteht. Dazu möchte ich den Vortrag mit Peter

M. Hejls Ansatz einer konstruktivistischen Sozialtheorie abschließen, in der er Gesellschaft als Netzwerk sozialer Systeme und Menschen als vernetzende Knotenpunkte der verschie- denen sozialen Systeme beschreibt, was eine solide Grundlegung der Notwendigkeit empiri- scher Forschung bedeutet. Kurz gesagt ermöglicht der radikale Konstruktivismus eine viable Zusammenführung naturwissenschaftlicher und geisteswissenschaftlicher bzw. qualitativ- empirischer Forschung ohne dabei in biologistische Fallen zu tappen.

Einheit D

Seiltänze auf der Grenze zwischen unternehmerischem und künstlerischem Selbst. Positionierungsstrategien im deregulierten Erwerbsfeld der Kultur- und Kreativwirtschaft

Jan Lange, Berlin
Vortrag mit anschließender Diskussion


Seit den 1990er Jahren wird die Kultur- und Kreativwirtschaft in den Wirtschaftsberichten verschiedener Städten und Regionen als wegweisendes Erwerbsmodell dargestellt. Weitge- hend ausgeklammert bleiben die Kommodifizierung und die auf politische Strategien zur Durchsetzung zukunftsträchtiger Ökonomien zurückzuführende Deregulierung des Erwerbs- feldes, im Zuge derer eine wachsende Zahl an Arbeitenden in prekäre Beschäftigungsver- hältnisse abrutscht. Im Vortrag stehen die Perspektiven und Positionierungsstrategien der Akteure im Umgang mit der strukturellen Unsicherheit im Fokus. Ihr Alltagshandeln wird als Resultat eines konflikthaften Zusammenspiels von unternehmerischer und künstlerischer Logik diskutiert.

Einheit E

Beschreiben, um zu verstehen. Spurensuche an der Grenze einer anthropologischen Methode.

Simon Holdermann und Julian Schmischke, Köln                                                          Vortrag mit anschließender Diskussion


Die Ethnographie gilt als die ethnologische Methode schlechthin. Neben der teilnehmenden Beobachtung und narrativen, biografischen Interviews nimmt sie eine Schlüsselrolle der Feldforschungspraxis ein. Damit verwischt die Methode die Grenzen der anthropologischen Fächer und findet mittlerweile auch in verwandten Disziplinen Anwendung – manchmal gilt sie gar als Synonym für qualitative Forschung. Doch spätestens seit der Krise der ethnologi-

schen Repräsentation stellen sich zunehmend Fragen danach, was die Ethnographie eigent- lich beschreibt und überhaupt beschreiben kann. Gemeinsam wollen wir uns in die Grenz- räume der ethnographischen Methode begeben: Wie können wir Wissen ‚vom Anderen‘, bzw. ‚von etwas Anderem‘ produzieren? Wie lässt sich die ‚autoritäre Autorschaft‘ mit der respektvollen Repräsentation der Informantinnen und Informanten vereinbaren? Welche stilistischen und sprachlichen Mittel sind dafür geeignet? Wie viel Reflexion tut einer Ethno- graphie gut?

Wir wollen unsere Spurensuche von theoretischer Seite beginnen. Zuerst rekapitulieren wir kurz die historische Entwicklung der Ethnographie sowie die Hauptstreitpunkte der Writing Culture Debatte und deren Nachwirkungen. Danach wollen wir euch unsere persönlichen Erfahrungen mit der ethnographischen Methode schildern, die wir in ersten eigenen For- schungen in Münster und Indien auch schriftlich verarbeitet haben. Dabei möchten wir euch einen Einblick in die Praxis der ethnographischen Methode ermöglichen. Lasst uns davon ausgehend zusammen erarbeiten, welche Antworten wir auf die Frage nach einer wün- schenswerten Beschreibung von Kultur finden können.

Einheit F

„Doing border“ – das europäische Grenzregime als Aushandlung von „Autonomie der Migration“ und gouvernementalisiertem Management

Manuel Liebig, Berlin
Vortrag mit anschließender Diskussion


Im Zuge der Europäisierung hat sich ein Migrations- und Grenzregime artikuliert, das in ei- nem stetigen Aushandlungsprozess steht: der Vortrag beleuchtet zum Einen schlaglichtartig die Entwicklungen und Charakteristika dieses gouvernementalisierten Managements, ohne dabei das konstitutive Gesicht der „Autonomie der Migration“ zu vernachlässigen. Zum An- deren steht die Frage des methodischen Zugangs zu einem derart globalisierten und frag- mentierten Feld im Mittelpunkt. Diese wird anhand theoretischer Überlegungen zur „Ethno- graphischen Grenzregimeanalyse“ und eigener Feldforschungserfahrungen erläutert.

Film – „leben verboten“
von Astrid Nave und Mathias Fiedler, Göttingen


Leben verboten ist ein 30-Min. Dokumentarfilm, der sich mit den Problematiken und Unzu- länglichkeiten beschäftigt, die mit dem Asylbewerberleistungsgesetz und anderen einschrän- kenden Asyl-Regelungen, einhergehen – wie zum Beispiel die Residenzpflicht. Der Film zeigt das Leben von Flüchtlingen in Deutschland – insbesondere in Augsburg und Umgebung – und verdeutlicht dabei, wie schwierig es manchmal ist, den Versuch zu starten elementare

Rechte in Deutschland durchzusetzen. Der Wunsch nach positiver Veränderung der eigenen Lebensperspektive führt geflüchtete Menschen nach Berlin in den Bundestag und ins So- zialministerium. Dabei stoßen sie an die Grenzen der Gastfreundschaft eines Landes, das zur Fußball WM 2006 mit dem herzlichen Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden” Werbung machte. Die Flüchtlinge erfahren die bittere Realität einer Gesetzeslage, die von Hilfsorgani- sationen bereits als rassistisch und vom Bundesverfassungsgericht als unzulässig eingestuft worden ist. Unabhängig von Fluchtgründen, Fluchtwegen oder Herkunftsland werden in diesem Dokumentarfilm kafkaeske Situationen gezeigt, mit der sich ein Flüchtling in Bayern konfrontiert sieht. Das Werk dokumentiert Interviews, Lebensbedingungen und Statements von Verantwortlichen.

Den Trailer und mehr Informationen dazu findet ihr hier: http://www.lebenverboten.de

Veranstaltungsort:

Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie und in der Baracke

Platz der Weißen Rose
Scharnhorststraße 100

Münster

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